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iero kommt in Wien an! September 2006 findet die lange Reise von Rieti nach Wien endlich ein Ende und Piero darf sein neues Leben beginnen!
Angekommen ist er jedoch als "Rosso" (ital. für "rot"), der Name den er für die Reisevorbereitungen der Übersicht halber bekommen hat, im Tierheim selbst hatte er vorher gar keinen Namen, dort sind Hunde lediglich eine Nummer. Ich fand der Name passte überhaupt nicht zu ihm, zumal ich's nicht so mit der Farbe Rot habe, also musste schnell ein neuer Name her. Da die italienische Fußball-Nationalelf nur kurze Zeit zuvor die Weltmeisterschaft gewonnen hatte, war es sehr naheliegend ihn nach einem Spieler der Squadra Azzurra zu benennen. Nach einigem Hin- und Herüberlegen fiel die Wahl schließlich auf Alessandro del Piero.

Problem gelöst!

 

 


...der erste Ausflug ins Grüne, 1 Tag nach der Ankunft!

 

Sein gesundheitlicher Zustand war angesichts seiner Vergangenheit Gott sei Dank nicht wirklich schlimm, da gab es schon Ex-Rieti-Hunde die es bei weitem schlechter erwischt hatten,....  Er hatte ein paar Kilos zu wenig oben, die Zähne sahen katastrophal aus, unten links im Kiefer fehlen sogar ein paar Zähne, weshalb seine Zungen meistens auf dieser Seite raushängt; Durchfall und stinkendes Fell....

 

 


Hier hängt die Zunge mal ausnahmsweise rechts

 

Daher war die erste Konsequenz ein Vollbad um den grauenvollen Tierheimgeruch loszuwerden! Was ein bisschen Wasser und Shampoo nicht alles ausmacht, Piero sah fast wieder wie neu aus. Naja, wirklich nur fast, es galt noch ein paar Pfunde raufzupäppeln, was in der Zwischenzeit auch gut gelungen ist und ich schon aufpassen muss, dass es nicht gar zu viele werden.
Das war es eigentlich für seinen ersten Tag: Baden, Fressen und dann Schlafen, Schlafen, Schlafen!
Der nächste Tag versprach spannender zu werden, Pieros erster Ausflug ins Grüne, endlich mal was anderes als grauer Tierheimalltag, Betonböden, und Gitter vor der Nase. Die Fotos auf dieser Seite, sind alle von diesem Ausflug.

 


Endlich wieder Gras unter den Pfoten spüren, herrlich!

 

Es war einfach einmalig! Es ist jedes mal aufs neue ein tolles Gefühl, die Hunde zu beobachten, wie sie ihr neues Leben mit jeder Faser ihres Körpers genießen und ihr Glück selbst kaum fassen können.. etwas, dass ich jedem Tierheimhund gerne gönnen würde, ein voller Magen, ein bisschen Gras und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, nur leider ist es eben nicht jedem vergönnt. Um so mehr freue ich mich für meine kleine Laus, dass er es hinter sich lassen konnte und wir jetzt beide zusammen die Welt entdecken können.

 

 


Tierheim? Kenn ich nicht...

 

Der Einstieg ins Alltagsleben ist für viele Hunde ein Problem, weil sie vorher einfach nichts gekannt haben, doch Piero hat sich eigentlich schnell eingefügt. Rosi, die Hündin die bei meiner Freundin Claudia einen Pflegeplatz gefunden hatte und Leni, ihr eigene Hündin, wurden schnell "seine Mädels" und Sachen wie Stubenreinheit und alleine bleiben waren von Anfang an gar kein Thema.

 

 


Rosi durfte schon in ihr neues Zuhause ziehen

 

Allerdings wurde auch schnell klar, das Piero's Vergangenheit nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen ist... (an welchem Lebewesen wäre es das schon?). Menschen waren ihm komplett egal, klar als Dosenöffner und Streichelausgeber waren sie ganz toll, aber sonst waren ihm Menschen wirklich schnurzpiepegal. Er hat einen so gut wie nie angesehen, höchstens mal verstohlen von der Seite geschielt. Wenn man auf ihn zugegangen ist wenn er auf seinem Patz gelegen ist, hat er sicherheitshalber mal das Beinchen gehoben und seinen Bauch präsentiert. Draußen war es eine absolute Katastrophe, er lief im Zick Zack und stemmte sich in die Leine als ob es um sein Leben ginge, ohne auch nur eine Sekunde stehenzubleiben, maximal um kurz das Bein zu heben, beim Anblick von anderen Hunden wurde er zur keifenden Bestie, null ansprechbar, Aufregung und Stress pur!
Das war/ist es auch, dass Piero zu schaffen machte: Stress.

Es war einfach von allem zu viel, daher mussten wir erstmal runterfahren und ganz klein anfangen was so ziemlich alles anging. Generell haben wir versucht soviel Ruhe wie nur möglich rein zu bringen, Routine wurde in den Alltag gebracht, kleine Rituale eingeführt, hauptsächlich kurze Spaziergänge auf den immer selben Strecken, unterbrochen von Mini-Futtersuchen und kleinen gemeinsamen Aktivitäten, nebenher ein bisschen Grundgehorsam aufgebaut und viel Kopfarbeit!
Viel Zeit und Geduld (und mindestens eine Tonne Leckerchen! ) hat es gebraucht um da zu stehen wo wir jetzt sind, der kleine Mann hat immer noch viel vor sich, keine Frage, aber seine Fortschritte sind keineswegs zu verachten! Er achtet schon viel besser auf mich, sucht Blickkontakt, achtet mehr als genau auf meine Körpersprache - ich kann ihm zB. Mini-Futterstücke im Gras anzeigen indem er nur meinem Blick folgt - er ist abrufbar und sucht von sich aus sehr viel körperlichen Kontakt. Der "Freilauf" veräuft zwar immer noch an der Schleppleine, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann wird der Tag kommen, an dem er auch ganz frei laufen kann, was wir bisher nur in engezäuntem Gelände gemacht haben.

 


wutzel, wutzel

 

Er ist auch heute noch recht aufgeregt beim "Gassi gehen" und Hunde werden - zwar nicht mehr so wild wie früher, aber eben doch - an der Leine verbellt, es geht allerdings schon viel gesitteter zu und er lässt sich teilweise sogar umlenken. Zuhause ist er überhaupt ein Traum, ruhig und unauffällig, bleibt brav ein paar Stunden alleine, schmust für sein Leben gern und schläft daher gern Rücken an Rücken mit "der Mami" im Bett.

Ich habe es bisher keine Sekunde bereut ihn zu mir in Pflege geholt zu haben, er ist ein toller Hund, nicht immer ganz einfach, aber kann man ihm das verdenken nach allem was er durchgemacht hat? Er hat ein total einnehmendes Wesen mit seiner pfiffigen, verschmitzen Art. Er überrascht mich immer wieder, wie schnell er manchmal lernt und was er alles wahrnimmt. Er hat manchmal etwas von einem Draufgänger und hat dann doch diese sensible, zerbrechliche Seite... man muss ihn einfach liebhaben!

 

 

 

 

 

 

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